Schummeln streng verboten: Plagiatsprüfung – Ja oder Nein?

Im Rahmen meiner Tätigkeit als Lektor erhalte ich hin und wieder Anfragen von Klient:innen, ob ich eine Plagiatsprüfung durchführe. Ich biete diesen Service aus guten Gründen nicht an. Wer ganze Textinhalte bewusst plagiiert hat, weiß von diesen Mängeln und benötigt keine Plagiatsprüfung, sondern sollte sich beeilen, die unbefugte Aneignung fremden Gedankenguts zu beseitigen, d. h., Textstellen in eigene Worte zusammenzufassen, als Zitate zu kennzeichnen und mit belastbaren Quellen zu versehen. Unmittelbar vor dem Abgabetermin ist es jedoch extrem zeitaufwendig, die Plagiate zu identifizieren und diese Textstellen unter Einhaltung wissenschaftlicher Standards zu überarbeiten. Neben anderen Verpflichtungen ist diese Herkulesaufgabe kaum noch zu leisten, zumal nach vielen Monaten oder bei Doktorarbeiten nach einigen Jahren der Bearbeitung die Motivation nachgelassen hat. Ihre Arbeit muss jedoch über jeden Zweifel erhaben sein und den Anforderungen an wissenschaftlichen Standards genügen.
Während des Lektorats sind Plagiate mitunter leicht zu erkennen. Wenn beispielsweise im Text plötzlich keine Fehler mehr auftauchen, liegt der Verdacht nahe, dass es sich um ein Plagiat handeln könnte. Weitere Hinweise sind veränderte Schreibweisen, neue Grundbegriffe ohne vorherige Definition, fehlende Übergänge oder ein wechselnder Schreibstil. Ganz peinlich ist es natürlich, wenn der Text noch mit der Webseite verlinkt ist, was tatsächlich schon vorgekommen ist. Ich prüfe Plagiate nur stichprobenartig, wenn mir eine Textpassage auffällig erscheint. Eine Software ist hierfür nicht notwendig. Es reicht, einen prägnanten Satz in Anführungszeichen zu setzen und in das Textfeld der Suchmaschine zu kopieren. Wenn ich auf ein Plagiat stoße, weise ich meine Klient:innen darauf hin. Es ist dann nicht meine Aufgabe, diesen Text umzuschreiben.
Die Autor:innen begründen diese Unzulänglichkeiten häufig damit, dass schlichtweg der Überblick verloren gegangen sei. Diese Erklärung erscheint mir nachvollziehbar, weil es sich häufig nur um wenige Zeilen oder einen Absatz handelt. Die verführerischen Möglichkeiten, die Copy and Paste bietet, verleiten dazu, eine Textpassage zunächst in die eigene Arbeit hineinzukopieren und dann später „irgendwann einmal“ umzuschreiben. Diese Vorgehensweise geht einher mit der Erwartung, den Schreibprozess zu beschleunigen. Während der langen Bearbeitungszeit werden diese Textstellen manchmal nicht ausreichend markiert und bleiben daher während der Überarbeitung unentdeckt. Ich rate von dieser nur scheinbar bequemen Vorgehensweise ab, weil das Paraphrasieren dieser Textpassagen im Nachhinein nicht weniger aufwendig. Außerdem kleben die eigenen Gedanken zu sehr an diesem Originaltext, sodass Übergänge fehlen oder die Argumentation an der Oberfläche bleibt.
Sie können Plagiaten am besten vorbeugen, wenn Sie sich an eine bewährte wissenschaftliche Schreibpraxis halten und beim Verfassen und Überarbeiten des Textes sehr sorgfältig vorgehen. Es kommt vor allem darauf an, wie Sie den Übergang vom Planen zum Schreiben während des Schreibprozesses organisieren. Damit sind Sie auf der sicheren Seite! Sparen Sie sich also das Geld.

Falls Sie weitere Fragen zu Plagiaten haben und wie Sie Ihren Schreibstil verbessern können, können Sie sich gern telefonisch oder per E-Mail an mich wenden.

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